Dienstag, April 12, 2011

TABU April 2011_3

das dienstaegliche blieskastel ist fast leergefegt um diese zeit, es ist gerade mal neun uhr, als ich durch die stadt gehe, ziellos, weil ich nichts essen & trinken darf - mir ist auch nicht danach zumute, denn ich laufe durch eine entseelte Innenstadt, sehe nur steine, autos & tueren, die meisten der letzteren aus dem spaeten 18. jahrhundert. ich sehne mich so sehr nach einem bekannten gesicht, einer person, die mich kennt, aber niemand dergleichen ist unterwegs. traurige stadt, trauriges blieskastel.
mich zieht es irgendwie dorthin, wo ich mal gearbeitet habe, in die stadtverwaltung, ins rathaus am paradeplatz, das mit seinen vielen fenstern so freundlich abweisend ausschaut. im achtzehnten jahrhundert war es mal ein waisenhaus, die mauern sehen in der tat heute morgen verwaist aus, in einer leere, die nichts offen laesst.
kaum bin ich im foyer, laeuft doch ein bekannter an mir vorbei, ohne mich zu beachten, weil er mich nicht sieht - aber ich sehe ihn & will ihn nicht ansprechen. er erinnert mich an die seltsamen monate von vor drei jahren, als ich als eineuro-jobber hier anfing, unter seiner fuchtel. diese geschichte will ich noch immer aufschreiben & hier veroeffentlichen, schaeme mich aber inzwischen dafuer.
es ist in der tat ein liebloser morgen, er haette nicht schlimmer sein koennen, hier finde ich keinerlei inspirationen mehr zur zeit, das war vor einem halben jahr noch ganz anders. aber wenn es nun einmal so sein soll, dann muss ich es aushalten, mir bleibt nichts anderes uebrig. die leute wollen nicht, sie sind mit sich selber beschaeftigt, & ich habe ihnen nichts zu sagen. gar nichts. ein guter morgen laechelt dich an, ein schlechter wendet seine augen von dir ab & laesst dich stolpern.


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