Dienstag, August 02, 2011

BURGFRIEDEN IN DER HOELLE

Einen abzaehlreim koennte ich kreieren, wenn ich wollte:
Zehn arme teufel konnten sich an der hoelle freu´n/ Beelzebub schlug blindlings zu – da waren´s nur noch Neun.
Neun arme teufel, die haben viel gelacht/ den goettern tat´s in den ohren weh, da waren´s nur noch acht.
Acht arme teufel, die wollten musik ueben/ die oberhex war schneller am zug, es ueberlebten´s nur derer sieben.
Sieben arme teufel, die wollten taeglich sex/ einer hat zuviel von seiner lust verbraucht, da waren´s nur noch sechs.
Sechs arme teufel, die glaubten an ihre geheimen truempfe/ das falsche as kam zu spaet auf´n tisch, da waren´s nur noch derer fuenfe.
Fuenf arme teufel, die fuhren aufm aetna schier/ der berg war heiss, gab seine lava preis, da warens nur noch vier.
Vier arme teufel, die kochten sich ´nen brei/ einer hat sich daran verschluckt, da waren´s nur noch drei.
Drei arme teufel hassten das hoellische einerlei/ ihr aufstand wurde im keim erstickt & einer war leider wieder dabei.
Zwei arme teufel, die bestellten den sarg beim schreiner/ dieser nahm an einem zuviel mass, da war es nur noch einer.
Ein armer teufel, der wurde arbeitslos/ er trauerte um die anderen neun, da brach die hoelle los.

Dies ist der leicht komprimierte lagebericht der befindlichkeiten eines darbenden hungerleiders & vagabunden im bliestal des fruehen einundzwanzigsten jahrhunderts. Dabei ist leicht zu erkennen, dass es auch in der hoelle zuwiderhandlungen gibt, die nicht gut aufgefasst werden von einer obrigkeit, die keine sein will, es aber dennoch ist. Genau wie auf der erde. Doch was haben teufel auf der guten alten erde zu suchen?
Was haben wir sterbliche menschen in der hoelle zu suchen, frage ich zurueck. Alles, koennte die antwort lauten, denn die hoelle gibt es nicht, sowenig wie es den himmel gibt, oder besser noch: den himmel auf erden. Wie kann man nur nach allem suchen & suchen, wenn es nichts gibt? & dies noch in rauen mengen! Das koennen sich nur menschen ausdenken, denke ich.

Freitag, April 22, 2011

Oesterlicher Lieblingsort

Lieblingsorte, wir spaeten Juenglinge & Maedchen haben sie uns schon vor laengerer Zeit ausgesucht, heute morgen, es ist Karfreitag, 22. April 2011, wollen wir nach Homburg-Beeden, zu den Stoerchen, wie es meine Freundin ausdrueckt. Das Ziel ist klar.
& der Himmel ist es ebenfalls, viel zu warm ist es am spaeten Vormittag, wir sind beide empfindlich gegen die zu fruehe Waerme im April, aber die Voegel, die wir in Beeden hoeren & sehen, lassen uns das fuer kurze Zeit vergessen. Minutenlang lauschen wir zwei Nachtigallen im Gebuesch, wir koennen sie nicht sehen, aber dafuer um so besser hoeren - Ich bin immer wieder tief beeindruckt von dem Melodienreichtum dieses herrlichen kleinen Vogels, er singt uns den wahren, echten, unverfaelschten Fruehling herbei.








& am Biotop, auf der anderen Seite, sind sie alle versammelt an diesem Spaetmorgen, die Pferdchen, die Heckrinder, die Wasserbueffel, die Highlander-Rinder, habe ich was vergessen, ach ja, das Storchenpaar, das den Horst auf dem hohen Mast endlich angenommen hat & fleissig seine Jungen aufzieht, die Gaense sind irgendwo in ihrem morgendlichen Versteck zugange, ein paar Stockenten flattern & quaken auf dem Wasser. Es ist ein wundervolles Fleckchen Erde hier, & ich bin dankbar, dass ich es immer wieder aufsuchen kann, besonders um diese Zeit, im April, Anfang Mai.

Dienstag, April 12, 2011

TABU April 2011_3

das dienstaegliche blieskastel ist fast leergefegt um diese zeit, es ist gerade mal neun uhr, als ich durch die stadt gehe, ziellos, weil ich nichts essen & trinken darf - mir ist auch nicht danach zumute, denn ich laufe durch eine entseelte Innenstadt, sehe nur steine, autos & tueren, die meisten der letzteren aus dem spaeten 18. jahrhundert. ich sehne mich so sehr nach einem bekannten gesicht, einer person, die mich kennt, aber niemand dergleichen ist unterwegs. traurige stadt, trauriges blieskastel.
mich zieht es irgendwie dorthin, wo ich mal gearbeitet habe, in die stadtverwaltung, ins rathaus am paradeplatz, das mit seinen vielen fenstern so freundlich abweisend ausschaut. im achtzehnten jahrhundert war es mal ein waisenhaus, die mauern sehen in der tat heute morgen verwaist aus, in einer leere, die nichts offen laesst.
kaum bin ich im foyer, laeuft doch ein bekannter an mir vorbei, ohne mich zu beachten, weil er mich nicht sieht - aber ich sehe ihn & will ihn nicht ansprechen. er erinnert mich an die seltsamen monate von vor drei jahren, als ich als eineuro-jobber hier anfing, unter seiner fuchtel. diese geschichte will ich noch immer aufschreiben & hier veroeffentlichen, schaeme mich aber inzwischen dafuer.
es ist in der tat ein liebloser morgen, er haette nicht schlimmer sein koennen, hier finde ich keinerlei inspirationen mehr zur zeit, das war vor einem halben jahr noch ganz anders. aber wenn es nun einmal so sein soll, dann muss ich es aushalten, mir bleibt nichts anderes uebrig. die leute wollen nicht, sie sind mit sich selber beschaeftigt, & ich habe ihnen nichts zu sagen. gar nichts. ein guter morgen laechelt dich an, ein schlechter wendet seine augen von dir ab & laesst dich stolpern.


Freitag, April 08, 2011

TABU April 2011_2

carpe diem - kann ich nur bestaetigen. aber welchen nutzen hat´s, wenn der tag genutzt werden soll? nur nicht drueber nachdenken, es ist zwecklos. wenn nur die gedanken nicht immer praesent waeren. kann ich sie ausschalten, oder muss ich dafuer meditieren lernen, was ich nicht mag, weil die zeit mir davonlaeuft. nichts desto trotz, es ist ein wunderschoener fruehlingsmorgen, hier, wo ich wohne, ist es fuer mich am schoensten. du brauchst dich nur nach allen seiten umzuschauen, dann kannst du das unendliche erreichen, frei nach goethe, der manchmal auch geschwurbelt hat, weiss gott.
naja, die fruehlinge haben´s in sich, nicht nur in der tierwelt kann man das feststellen. ich liebe das licht, die klare luft heute, eigentlich schon seit ein paar tagen, nachts schlafe ich wie ein tier, weil ich mich verausgabe tagsueber, abends bin ich rechtschaffen muede, freue mich an meiner partnerin, die so sanft sein kann wie ein sonnentag, fast idyllisch koennte es sein, wenn mein misstrauen wieder von mir abfiele.
aber eher fallen mir die eier ab, bevor dies geschieht.

Dienstag, April 05, 2011

TABU April 2011_1


jetzt lockt auf einmal wieder die strasse, mit all ihren schlagloechern & rinnsteinen, die leute hier wollen es so. ein raeudiges winterfell eines hundes ist der himmel ohne sonne, & genauso hungrig wie der schaut er drein.
die beschauliche alte stadt an der blies schlaeft am tag, jetzt schon, es herrscht bruetende hitze in den ersten apriltagen, aber auch irgendetwas neues liegt in der luft, unbekannt, aber neu.
ein wissbegieriger alter herr streift durch die strasse oben ueber dem schlossberg in richtung kloster. mein bekannter & ich gehen ueber den juedischen friedhof, er ist heute fuer die oeffentlichkeit zugaenglich, ich bin zum erstenmal in meinem leben hier - es ist der friedlichste ort in blieskastel, fuerwahr, selbst an diesem sonntag.
& spaeter noch an der orangerie, ein ort voller zauber, selbst die voegel pfeifen hier anders, eine amsel lacht wie ein specht, ein passagierflugzeug am himmel singt wie eine lerche.

Mittwoch, März 30, 2011

Ansichten

Wolf, canis lupus, maennlich, grau-schwarzes fell, ein wenig schuetter & raeudig - kaukasisch-asiatischer typus, nomadisch im herzen & ausserhalb davon, still, heimlich, hungrig nach leben & nach essen, alle vier pfoten sind noch in ordnung, trotzdem zweimal in einer falle gewesen - kaum nachkommen, da enthaltsames liebesleben praktizierend, neugierig auf menschen & tiere - vor allem auf letztere, des lesens kundig, ansonsten ungebildet & aus der zeit gefallen, liebt manche menschlichen eigenschaften, besonders die von frauen, wenn sie jung & schoen sind, kann sich vom feinsten fleisch, aber auch von aas ernaehren, meidet alkohol, ist nirgendwo zuhause, berichtet aber gerne, als waere er sesshaft geworden. kann hervorragend witterungen aufnehmen, gedanken lesen & sich & anderen die zukunft versauen, liebt es, die daemmerung aufzusuchen, verschlaeft gerne den tag, die nacht ist sein revier, wenn er hunger hat, kann er schon mal gefaehrlich werden, aber ansonsten ist er nur ein scharfer beobachter, der befindlichkeiten aufspuert & anekdoten aus ihnen spinnt. hat bereits einige artikel als wolf in the city an anderer stelle gepostet. fuehlt sich zu einer ganz bestimmten stadt hingezogen, andere affinitaeten sind aber rein zufaelliger natur.